Goldgrube eingestürzt

Die FAZ bringt am Sonntag einen Bericht über Facebook Apps heraus. Der Journalist Patrick Bernau hat mich nach meiner Meinung bezüglich des Hypes von Facebook Apps gefragt. Ohne dem Artikel vorgreifen zu wollen, habe ich hier einige meiner Statements zusammen gefasst:1. Es gibt nur ganz wenige Facebook Apps die wirklich nachhaltig überleben werden2. Die Vermarktung der Apps auf Facebook muss wie die Vermarktung im Internet betrachtet werden – also genau die gleiche grosse Herausforderung. Zu meinen, dass wenn man eine App entwickelt hat, sich diese ganze einfach viral von alleine verbreitet ist falsch.3. Es gibt nur ganz wenige Apps die es wirklich geschafft haben – von heute ein paar Tausend Applikationen gibt es nur 10-20 die wirklich gross geworden sind4. Viele Apps haben noch kein nachhaltiges Business Modell5. Viele Nutzer fühlen sich genervt über die laufenden Einladung zu der nächsten „Super-Poke-irgend-was-fühl-dich-gut“ ApplikationMeiner Ansicht nach, ist und bleibt ein Social Network eine Kommunikationsplattform – alle zusätzlichen Gimicks sind Modeerscheinungen, mit wenig Loyalität und damit auch nur mit einem kurzfristigen Erfolg.Hier noch einige Blogposts:


von mappingtheweb (bereits im Juli 2007) 
Advertisements

Video Destination – das Ende?

Ich habe gerade einen interessanten Artikel auf CNN gelesen, der von aussen die ganze Video Szene betrachtet, die ja von innen gesehen, sich unglaublich entwickelt. Der Artikel geht von einem raschen Ende dieser Destinations-Seiten aus, die einfach nur Videos hosten. Da bin ich einer Meinung. Ich glaube aber, dass Video in Verbindung mit relevanter Beziehung schon eine grosse Berechtigung hat. Was heisst das? Ich bin überzeugt, dass ich die Videos meiner Familie anschaue, vielleicht auch noch die meiner Freunde und sicherlich welche aus meinen Intressensgebieten. Deshalb bin ich auch starker Verfechter der Verknüpfung von Social Networks und Social Media. Denn wenn mein Freund was tolles erlebt hat, dies auf Video festgehalten hat und nun mir dies mitteilt – dann ist das starker Content. Und relevanter starker Content kann auch vermarktet werden.

Ein Berg voll Zucker – Zuckerberg

Bei meiner kurzen Visite im Silicon Valley kann ich eines vermelden: ALLE reden nur von FACEBOOK! „The next big thing“ oder „The next Google“ oder in der Financial Times „Route to Social Success“. Facebook ist in aller Munde. Einige sind der Meinung, dass Facebook schon heute 8 – 10 Mia. Dollar wert ist. Ich erinnere mich noch an den letzen Dezember, als man noch über den Wert von Social Networks diskutierte und ungläubig die vermeintlichen Kaufangebote von Yahoo für Facebook oder die Übernahme von studiVZ durch Holtzbrinck mit Unglauben kommentierte.

Fakt ist: Facebook ist heute schon die weltweite grösste Fotoseite – grösser als Flickr. Nun aber zurück zu der endlosen Frage: Wie wird dieses unglaubliche Wachstum und Nutzung der User zu Geld gemacht? Die Antwort gab Mark Zuckerberg gleich selbst: „Targeted Advertising“. Ein Social Network hat den grossen Vorteil, dass seine registrierten User alle persönlichen Daten preisgeben. Dadurch haben die Social Networks einen riesigen Vorteil in der Monetarisierung gegenüber den üblichen grossen Portalen. Dort muss mit sehr viel Aufwand (Wunderloop oder Nugg.ad beispielsweise) versucht werden, ein Profil der User anzulegen, um dadurch in der Lage zu sein, einem männlichen Nutzer keine Tampon Werbung einzublenden.

Das grosse Potential der Social Networks liegt also in den Daten seiner Nutzer. Keine wirkliche Weisheit! Aber diese Daten sind auch für Dritte Gold wert. Warum denn, soll nicht in Zukunft das Social Network die Cookies und damit die Kundendaten an Werbetreibende weiter verkaufen? Dazu braucht es kein Doubleclick sondern nur die eigene technische Voraussetzung. Damit könnten Social Networks eine Vorreiterrolle für „Targetted Marketing“ übernehmen können – und zwar auch für Dritt-Seiten, die nicht über diese Daten direkt verfügen. Dies wäre ein ganz interessanter Ansatz und erlaubt den SN das Tor zum User zu sein.

Das verrückte aber ist, dass Mark Zuckerberg dieses ganze Unterfangen mit ganzen 23 Jahren sehr professionell vorantreibt. Aus mir bekannten Quellen, hat er zwar die erste Management Generation so verärgert, dass die gleich wieder ging. Danach aber einen Executive Coach akzeptiert, der ihn während mehr als 18 Monaten eng betreute und so weit brachte, dass er heute sehr professionell sein Unternehmen führt. Chapeau!!!

Monetarisierung von Social Networks

Ich habe schon mehrere Posts gemacht bezüglich Werthaltigkeit und Bewertung von Social Networks. Da kamem immer wieder Fragen auf bezüglich der Monetarisierungsmöglichkeiten. Die Diskussion auch in anderen Blogs geht dahin, in wie weit, der riesige Berg von PIs (Page Impressions) überhaupt vermarktet werden kann. Der grosse Vorteil von Social Networks gegenüber anderen grossen Portalen, sind die Daten der Nutzer, die für die Werbeschaltung zur Verfügung stehen. Das heisst, dass Targeting Advertising zum ersten Mal umfassend möglich wird.

Dort liegen die grossen Chancen und das enorme Potential von Social Networks. Alleine die TKP Preise können bei zielgerichteten Werbeschaltungen um das 3 bis 5-fache gesteigert werden! Das heisst Rasierschaum-Werbung erhält nur wer auch männlich ist und innerhalb eines Zielalters liegt. Die Tampon-Werbung nur Frauen und die Aktion von Konzert Tickets in Zürich nur Benutzer mit Wohnort Zürich und Umgebung. Das ist der erste Schritt um hoch akzeptable, also auch für den Nutzer interessante und akzeptable Werbung zu schalten und damit auch die Erfolgsrate enorm zu steigern. Das sind Werbevoraussetzungen, die eigentlich jeder Werber schon seit ewigen Zeiten sucht. Seine Zielgruppe direkt ansprechen zu können.

Oh God my Mom joint Facebook

Lautet die hysterische Meldung von der Teenager Generation. Und die Angst ist berechtigt. Wie lange kann sich Facebook als Studenten, Schüler oder Jugend-Netzwerk profilieren.

Mit der Öffnung hin zu einem generellen Netzwerk mit Subnetzen ist aus meiner Sicht eine Balanceakt.Die Verwässerung der Positionierung hin zu dem allerwelts-Netzwerk mit tausenden von Applikationen, könnte nicht nur die eingefleischten Nutzer beängstigen.

Ich bin der Meinung, dass unbegrenzte Öffnung von Netzwerken problematisch ist. Was macht studiVZ so betörend und so sticky? Warum kommunizieren mittlerweile mehr als 800’000 Schüler wie blöd über schuelerVZ? Warum sind Xing Nutzer so an die Plattform gebunden? Aus meiner Sicht ist die Antwort ganz einfach: Hauptsächlich weil die Positionierung des Netzwerkes einen gemeinsamen Nenner schafft, eine Art Gruppenidentifikation, das heisst Ausdrucksform einer Person. Dies ist aber nur in einem klar abgrenzbaren Rahmen möglich. So sind zum Beispiel viele studiVZ Benutzer klar der Meinung, dass nur Studenten auf der Plattform zugelassen werden sollen. Fake Profile werden sofort denunziert – von der Gemeinschaft selbst. Das heisst dann auch Netzwerk ist Gemeinschaft oder Gesellschaft! Falls diese Identität bricht orientiert sich der Nutzer neu und dies könnte zum Wechsel zur nächsten Gemeinschaft führen. Dabei werden Profile nicht gelöscht sondern die Aktivität und Kommunikation wechselt zum anderen, neuen Netzwerk.

Deshalb bin ich so angetan von den klar ausgerichteten Netzwerken mit entsprechende starker und ausgeprägter Relevanz für den Benutzer.

Dein täglich neues Social Network…

Ich glaube, ich habe dies hier schon einmal geschrieben – und es hat sich nichts daran geändert. Ich erhalte pro Woche mindestens 2-3 neue Social Network Konzepte oder Ideen. Von Meta-Social-Networks über das Web 3.0 Social Network bis zum 324igsten MySpace Clone. Wenn ich dann Frage, wie solche „neuen“ Netzwerke denn in der heutigen „übernetzten“ Userlandschaft erfolgreich sein sollen, da bekomme ich unterschiedliche Antworten:

  • Das Netzwerk ist cool und einzigartig
  • Wir werden Guerillia Marketing machen
  • Der User hat ein ganz neues Erlebnis

und vieles mehr. Auch erfahre ich immer noch, dass es viel Potential gibt und das es immer noch viele Leute gibt, die nicht in einem Netzwerk registriert sind.

Und tatsächlich: Es gibt sie immer noch! Phänomenal wachsende Seiten. Dahinter steckt aber immer ein Gesamtpacket das stimmt. Adressierung des Zielmarktes ist richtig, das Produkt erfüllt oder übertrifft die Erwartungen, die User finden das Angebot und die Umgebung stimmig und empfehlen sie weiter. Dazu gehört die nötige Portion Passion, Ehrgeiz und Tatkraft einen solchen Aufbau zu stemmen! Und es braucht das klare Konzept eine Community auch wirklich selbst aufzubauen. Und das ist Knochenarbeit.

Gerade hat eine Studie gezeigt, dass immer noch mehr als 50% der Deutschen nicht wissen, was Web2.0 ist oder ein Social Network ist. Gerade mal knapp 10% sind in einem Social Network registriert. Und trotzdem: Für ein gutes und erfolgreiches Social Network muss ALLES stimmen. Denn was ist schlussendlich ein erfolgreiches SN? Oft sind die Macher stolz, dass sich 30 oder 40ig Tausend registriert haben. Aber das reicht nicht. 300’000 oder 500’000 schon besser. Ab einer Million geht das ganze langsam in die richtige Richtung. Denn die Monetarisierung einer Community kann sehr aufwendig sein. Vor allem wenn zunehmend die Sieger einer Kategorie die Hauptwerbebatzen abräumen.

Apropos Social Network: Ich hätt da noch eine Idee aus den USA:

Mizpee Launches Toilet-finder For Your Cell Phone

mizpee.png

via Martin van Os