Copycat – oder „act local“

Ich habe gerade eine Artikel von Matt Marshall auf VentureBeat gelesen: „Copycat – but getting Smarter“. Er beschreibt darin die Web 2.0 Szene in Deutschland und zeigt vor allem auch auf, wie stark die Copycat-Szene in Deutschland ist.

Nun vor ein paar Monaten habe ich selbst einen Vortrag bei einem Anlass in München gehalten. Ich will hier ein paar dieser Aussagen zu diesem Thema widergeben.

1. Sind Copycats per Definition einfacher zum Erfolg zu führen?

NEIN! Copycats brauchen genau gleich harte Arbeit und das Quentchen Glück um Erfolgreich zu sein. Dazu gibt es viele Beispiele. Zur Zeit vom Start von studiVZ waren bereits 3-4 andere Copycats ab Start.
Viele Gründer von Copycats meinen, mit dem simplen kopieren der Idee sei der Erfolg bereits garantiert. Dem ist ganz und gar nicht so – das zeigen auch die vielen Flops, selbst von den grossen dieser Branche (frazr).

2. Copycats sind ein zeichen für einen nachhaltigen Markt

First Movers können es sehr schwer haben, solange es noch keine Nachahmer gibt. Copycats sind immer auch ein Zeichen dafür, dass prinzipiell ein Marktnachfrage besteht oder zumindest angenommen wird, das eine besteht. Das ist eine Bestätigung für einen First Mover. Der kopierte hat immer noch die Möglichkeit auf solche Konkurrenz zu reagieren. Das hätte beispielsweise auch Facebook oder Linkedin in Deutschland gekonnt. Passt aber ein Markt noch nicht in die Strategie, dann lässt man lieber den Copycat vor. Zum Teil kann es aber sehr schwierig werden, einen solchen Markt später zurück zu holen.

3. Sind Copycats schlecht oder minderwertig?

Bei weitem NEIN! Sind BMW und Mercedes schlecht, nur weil sie nun auch beginnen Hybrid Autos zu bauen? Wichtig ist ja, was man aus einem Copycat macht. Wie Matt Marshall auch in seinem Artikel anführt, sind meistens gerade die erfolgreichen Copycats hier in Europa besser oder weiterentwickelt. Oftmals auch besser auf den lokalen Markt ausgerichtet. Ohne Innovation geht auch bei einer Kopie einer Idee oder eines Konzepts nichts.

Copycats sind immer noch sehr negativ belegt und gelten als minderwertige Unternehmen. Das ist falsch und entspringt wohl einem falschen Ehrgeiz oder ganz einfach Neid.

4. Warum wird überhaupt in Europa so viel kopiert?

Ganz einfach: Wegen der Unfähigkeit vieler Amerikanischen Vorreiter sich auf die europäischen Märkte einstellen zu können, beziehungsweise von Beginn weg schon nur technisch in der Lage zu sein, die unterschiedlichen Länder zu adressieren. Das hat natürlich viel mit dem eigenen grossen Heimmarkt zu tun, aber sicherlich auch etwas mit der fehlenden Weitsicht oder der amerikanischen Arroganz.

5. Kann Europa auch eigenes Zeug machen?

Aber sicher! Schade nur, das Matt Marshall da die Web 2.0 Expo als Massstab nimmt. Da gibt es schon noch mehr als das.

Eines ist sicher. Im Zentrum eines jeden Start-ups steht der Markterfolg und der ist, egal ob Copycat oder innovative neue Technologie, nur mit dem richtigen Produkt, der richtigen Adressierung des Marktes und ein gehörigen Portion harter Knochenarbeit zu erreichen. Geschenkt wird keinem etwas!

Chur – wo?

Ich war letzte Woche an einem Abend wieder mal nicht zuhause (meine Frau würde sagen: wie immer). Da fragt mein Sohn seine Mutter: „Wo ist Papa?“ Sie: „Er hält einen Vortrag in Chur?“ Er: „Chur? Dann verdient aber Papa nicht viel“ Sie: „Wie kommst Du darauf?“ Er „Mit Chur verdient man im Monopoly kaum was!“. Soviel zu Standort-Promotion.

Ich hielt also letzte Woche wieder mal meinen Vortrag „Erfolg nach einem Misserfolg“. Dieses Mal an der Prämierung des besten Businessplan des „Unternehmer“-Lehrgangs an der HTW Chur. Und hat es sich gelohnt in Chur? Ja – und wie! Jedesmal, wenn ich zu jungen StudentInnen sprechen kann, und sie ermuntern und motivieren kann, persönliche oder gesellschaftliche Hürden zu überspringen und UnternehmerIn zu werden, dann ist das für mich Lohn genug.

Der tolle Anlass hat auch gezeigt, dass auch in Chur eine Gründer-Zelle (e-tower) pulsiert. Ich gratuliere auch auf diesem Weg noch einmal allen Gewinnern des Wettbewerbs und hoffe, dass all die guten Ideen zu erfolgreichen Unternehmen führen oder auf jeden Fall die Initianten zu UnternehmerInnen werden.

Besuch in der Fremde

Immer wenn ich geschäftlich nach Paris reise, habe ich ein komisches Gefühl – ich verbinde Paris einfach nicht mit Geschäft. Ich denke, dass dies mit meiner Kindheit zu tun hat, als meine Familie einer meiner ersten grossen Reisen, an die ich mich erinnern kann, nach Paris unternahm.

Nun bin ich wieder mal geschäftlich in Paris unterwegs zum Social Network Leader Skyrock. Eine Erfolgsstory sondergleichen. Heut mit über 20 Mio. Mitgliedern eines der grössten, wenn nicht sogar neben Bebo das grösste SN in Europa. Untergebracht in einer unscheinbaren Strasse, arbeiten heute ca. 80 Leute bei Skyrock.

Und: Skyrock greift nach den Sternen und will ein starke Expansion in ganz Europa vorantreiben. Skyrock gibt es heute in 11 Sprachen und nach Angaben des Marketingleiters Rémi Kirche wächst das SN stark in den neuen Märkten.

Und2: Skyrock will sich kontrolliert öffnen. Das heisst, dass neue Drittanbieter von Diensten integriert werden sollen. Das ist ein mutiger und aus meiner Sicht auch richtiger Schritt. Schon heute können in den vielen Millionen Blogs „Fremd-Medien“ eingebunden werden. Ich bin überzeugt, dass dies im Sinne der Nutzer ist und damit gut ankommt.

Es wird spannend sein zu beobachten, ob es Skyrock gelingt in den neuen Ländern gegen die lokalen etablierten Player zu bestehen.

Weit entfernt oder weit abgehoben?

Silicon Valley ‚refuses to take Europe seriously‘ – dieser Artikel erschien Ende Januar im  guardian.co.uk von Bobbie Johnson, Technologie Korrespondent. Die Hauptaussage war: „Investors and companies in Silicon Valley do not take European internet businesses seriously, according to a leading entrepreneur.“
Im Artikel wird vor allem Loic LeMeur zitiert, der mit seinem Start-up seesmic, wie wir alle wissen, mit grossem Getöse von Paris nach San Francisco zog. Einer der Hauptgründe für ihn, war die Nähe zu anderen Start-ups. Das sei ohne Präsenz im Valley fast nicht möglich. Zudem seien die Start-ups in Europa nicht wirklich am US Markt interessiert und seien diesbezüglich immer noch zu vorsichtig, meinte er im Artikel.

Zum einen kann ich den Artikel nachvollziehen –  es gibt immer noch viele Start-ups, die keine direkten Ambitionen haben, die Welt zu erobern. Auf der anderen Seite ist es wohl schon richtig, dass die Startups in US es prinzipiell „einfacher“ haben, da vernetzter und die Rahmenbedingungen seit Jahrzehnten auf Technologie Ventures ausgerichtet sind: Bildung – Geld – Geist. In all diesen Bereichen ist uns das Valley sicherlich immer noch weit voraus.

ABER: Ich finde es vermessen, die Startups in Europa einfach in einen Topf zu schmeissen. Neben den sicherlich vielen Copycat-Startups gibt es auch echt innovative Technologien die in Europa entwickelt werden, die auch die Ambitionen haben, sich in den USA durch zu setzen.

Ich wollte deshalb von Howard Hartenbaum wissen, was er zu dem Artikel meint und zu den Aussagen von Loic LeMeur. „I know Loic and though I like him and think he is smart, I disagree on him with this one. I think his comments are a bit self serving.

This is too simplified. If a European company is focused on the US market, then moving to the US makes sense. If a European company is focused on Europe, then they should stay in Europe. If a European company is focused on the whole world, then they should stay in Europe and put a Business Development person in the US because Americans are not good at internationalization anyway.

Most Americans think that internationalization means translating a product for a specific market. I think that Europeans are much better thinking and acting internationally from the start.“

Ich habe die selbe Frage auch Rob Trice von NOKIA Growth Partners gestellt. Rob meinte dazu: „I think there is an element of truth but it is overstated and too simplistic to say Europe is not taken seriously.

Many Valley VC’s do see „Old Europe“ as lacking the ambition, risk profile, and supportive business infrastructure (legal, labor, etc.) for European companies to move as quickly and with the same flexibility as a Valley-based company to create a global winner.

Beyond the knock on Europe, the other benefit of moving a company to Silicon Valley is to expose a company to the global network of internet innovators.  To be clear, Silicon Valley does not hold a monopoly on internet innovation.  However, almost all innovative companies and ideas pass through the Valley in some way– talking to Google or Yahoo as a customer or acquirer, seeking venture financing, etc.

The downside of moving a company to the Valley is 1) it is expensive, 2) we too often believe our own BS too much– that the Valley way is the only path to success.

There are numerous hybrid approaches that can work for a company for some period of time:
1. Two headquarter approach– one in Europe, one in the US.
2. Strong sales office in SF– to make sure the Valley talk is getting back to the company and the company is on the Valley’s radar.
3. Get Enlightened US VC backing– some VCs understand that there is internet life outside of Silicon Valley and China.  They can help plug a company into the Valley.
4. Plan for a US expansion– don’t allow your company to be satisfied as just a European winner and plan the milestone that marks when you should move beyond Europe.

The other thing to keep in mind, is that there have plenty of successful VC-backed companies that have not had to be global winners and not pursued money from US VCs.  Most Japanese companies have a large enough domestic market that they can live comfortably just in that market and go public on the MOTHERS market. Korea is somewhat like Japan.  India and Chinese internet companies have US VCs chasing them because of the large potential domestic market.“

Die Aussagen zeigen glaube ich sehr deutlich: Auch Startups in Europa haben alle Chancen. Es ist eine Sache der eigenen Ambitionen und der Möglichkeiten, seine Firma lokal oder global auszurichten. Dass, wer im Internet ein Globaler Winner werden will, hier im Valley „durch“ kommen muss, scheint mir offensichtlich.

Die Internationalisierung von erfolgreichen Diensten, wann und wie, dies ist und bleibt sicherlich ein spannendes Thema!

TV Sucks – Internet Rules

Zum ersten Mal wird dieses Jahr, gemäss einem Artikel auf Mashable und nach Untesuchung von GroupM, die Internet Werbung das Volumen der TV Werbeausgaben in England übersteigen. Der Bericht rechnet sogar damit, dass in Schweden dies bereits früher in diesem Jahr geschieht.

Falls das so eintrifft, ist dies sehr bemerkenswert, haben wir doch hier zu Lande immer noch das Gefühl, dass Print und TV übermächtig sind. Aber der Trend geht klar in die Richtung Online. Zudem werden die Möglichkeiten für zielgerichtete Werbung im Internet immer besser. Mit den Möglichkeiten die Multimedia Inhalte immer mehr bieten, sowie „Opt-In“ Dienste, kann das aufkommende Werbevolumen sicherlich auch gut eingesetzt werden, ohne dass der Internet Nutzer mit unnützer Werbung überschwemmt wird. Ich bin fest überzeugt, dass gerade auf den verschiedenen Social Network Plattformen neue zielgerichtete Werbung in Form von Promotion viele Möglichkeiten diesbezüglich bietet. Warum sollte ich als Nutzer nicht bereit sein, zielgerichtete Werbung zu akzeptieren, sofern ich dafür einen Mehrwert an Diensten oder Funktionen erhalte?

Die verschiedenen Betreiber sind aber in dieser Beziehung leider mit rüden Vorgehen mit Beacon oder den plumpen AGB Anpassungen von studiVZ am Nutzer abgeprallt! Sie haben eine elementare Grundlage dabei missachtet: Solche Netzwerke gehören den Nutzern! Um neue Formen und Werbemöglichkeiten ausschöpfen zu können, muss man den Nutzer dafür gewinnen – man muss ihn vom Vorteil überzeugen – und dies sorgfältig und seriös. Zudem muss er sofort einen Mehrwert sehen. Was sicherlich nicht geht, ist ein bestehendes Produkt einfach mir nicht dir nichts zu ändern. Dies wird von den Nutzern als Missbrauch ihrer Loyalität betrachtet.

Ein Umdenken braucht es aber auch von den Werbetreibenden. Wie schon oft erwähnt, müssen auch dort die neuen Werbemöglichkeiten kreativ neu ausgeleuchtet werden. Erst wenn dieses Ökosystem funktioniert, kann daraus ein nächster Level erreicht werden.

Als Internet Benutzer wäre ich froh, wenn ich gegen entsprechende Gegenleistung, die richtige Werbung erhalten würde. Immer in der Sicherheit, dass mein Plattform Partner sorgsam mit meinen Daten umgeht!

Video Blog – wie das?

Ich bin wieder in Palo Alto. Seit ich im letzten Jahr hier in Stanford ein Executive Programm gemacht habe, lieb ich diesen Ort. Ich bin mit Stefan Tirtey hier von Doughty Hanson Technology Ventures und habe verschiedene Termine mit interessanten Leuten. Da Stefan auch ein Läufer ist, sind wir heute morgen früh noch vor Sonnenaufgang los und sind um den Campus in die Hügel laufen gegangen. Es war einfach grossartig. Ich liebe diesen Duft und die Farben – ach ich schwärme ja nur.

Nun es sind wieder spannende Sachen angesagt. Ich werde in meinem kyte Channel versuchen einiges auch live zu posten. So quasi ein VideoBlog im Blog – mal schauen ob und wie das geht.

Nun, was ist in den letzten Wochen so geschehen. Eines der ganz grossen Themen, denen ich im Moment nachgehe, ist die ganze Mobile Einbindung der Kommunikation von Social Networks. Was ist da der nächste grosse Schritt und wie kriege ich mein SN auf mein Handy und kann immer mit meinen Nächsten verbunden bleiben? Was sind relevante Informationen, die diese Nutzer auch wirklich wollen und suchen? Und wie kann das ganze auch tragfähig monetarisiert werden?

Zudem habe ich einige spannende Start-up Geschichten im Bereich Social Network aber auch in anderen Bereichen. Mehr darüber in einem weiteren Post.