Was machst Du? Und was mach ich?

 

Wieviel Struktur braucht ein Startup?

Dieses Thema hat mich in den letzten Monaten in verschiedenen Unternehmen beschäftigt. Natürlich kann man das Thema nicht einfach in einem kurzen Blogbeitrag abhandeln. Trotzdem möchte ich einen kurzen Versuch machen:

 

 

Was macht die Stärke bei einem Startup aus? FLEXIBILITÄT!

 

Kleines Team, jeder macht alles: Alle ziehen am gleichen Strick. Kommunikationswege sind kurz, Entscheidungen schnell von den Gründern direkt getroffen und kommuniziert.

 

 

Nun was geschieht aber, wenn das Unternehmen rasch wächst und das Team damit unübersichtlicher wird? Bereits bei einer Grösse von 20 – 30 Mitarbeitern sind plötzlich Teams zu bilden, Verantwortlichkeiten und Ziele festzulegen. Damit tun sich Gründer oft und junge Mitarbeiter erst recht schwer. Alles ging so easy als das Team noch klein war. Jeder trug Verantwortung, jeder konnte mitgestalten. Nun plötzlich sind neue Leute da, es kann nicht mehr jeder, überall mitmachen, sondern muss sich um eigene Gebiete kümmern. Die Gründer müssen gleichzeitig lernen, Verantwortung abzutreten und Vertrauen in die Mitarbeiter zu haben, dass diese ihren Job auch richtig, im Sinne der Unternehmensziele machen.

Dies alles sind nicht einfache Schritte. Es braucht dazu viel Disziplin und Aufmerksamkeit des Managements. Denn, eine rasch wachsende Unternehmung, organisiert sich nicht automatisch von selbst. Nein im Gegenteil, es braucht den klaren Willen der Gründer, welchen Grad an Organisation dem Unternehmen verordnet werden soll.

 

 

Entwicklungsprozess als Kernelement der Organisation

Neben interner Kommunikation, Aufbauorganisation und Sitzungswesen etc. habe ich festgestellt, dass vor allem in Softwareunternehmen, aber noch mehr bei Internet Unternehmen, der Entwicklungsprozess ein Kernelement der Organisation ist. Nicht nur hängen Qualität und strategische Weiterentwicklung von Produkten oder Plattformen stark von der Effizienz dieses Prozesses ab, sondern vor allem auch der Frustrationslevel der MitarbeiterInnen. Oft habe ich festgestellt, dass beim raschen wachsen von solchen Firmen, ein Graben zwischen Marketing/Verkauf und Entwicklung entsteht. Beidseits des Grabens werden Erwartungen nicht erfüllt, schlecht oder ungenügend kommuniziert, und wenn überhaupt, dann aneinander vorbei geredet. Dabei würde ein gut organisierter und durchgehender Entwicklungsprozess viel zur gemeinsamen Ausrichtung und Effizienzsteigerung beitragen. Aber wo beginnen und wie?

 

 

Ich habe bei verschiedenen Firmen hautnah erlebt, wie solche Prozesse gestaltet und eingeführt wurden. Zuletzt bei GenevaLogic nach der Vorgabe von RUP (Rational Unified Process). Dabei haben wir ganz einfach RUP als Leitfaden verstanden, den wir einfach haargenau auf unsere spezifischen Bedürfnisse angepasst haben. Bei der Gestaltung haben wir zwar alle Bereich miteinbezogen, aber schlussendlich hat der Projektleiter, Christian Räber, vor allem das Projekt so stark getrieben und so viel als Vorschläge vordefiniert, dass schlussendlich alle gefolgt sind. Hartnäckig und beharrlich hat er den Prozess eingeführt. Auch wenn er heute nicht mehr so ganz genau gelebt wird, wie er ursprünglich definiert wurde, so hat der gesamte Entwicklungsprozess GenevaLogic enorm effizienter und berechenbarer gemacht. Hatten wir früher oft Verspätungen bei Software Releases oder Qualitätsprobleme, so sind die Resultate heute um Faktoren besser. Zudem sind alle im Unternehmen weitesgehend informiert, was in der Entwicklung passiert und können auch entsprechend miteinbezogen werden.

 

Ich starte nächste Woche in einem Internetunternehmen, dass in den letzten Monaten enorm gewachsen ist ein ähnliches Projekt. Mal schauen wie sich da die Strukturierungen auswirken werden. Dabei ist mir auch bewusst, dass es gerade bei einem solch jungen Unternehmen auch gilt, die Balance zwischen Organisation und kreativem Chaos zu halten.

 

 

Ich habe aus diesem Grund einen neuen Tag in meinem Blog geschaffen „Organisation“. Ich werde von den Erkenntnissen des Projektes weiter berichten.

6 Gedanken zu „Was machst Du? Und was mach ich?

  1. Die Situationen, die Sie beschreiben, erlebe ich ebenfalls immer wieder in Unternehmen, die aus der Startphase in eine Wachstumsphase kommen.

    Mit entscheidend ist (aus meiner Sicht) die Frage: schafft es der Gründer/schaffen es die Gründer
    a) zu erkennen, dass ab einer gewissen Grösse des Unternehmens andere/zusätzliche Fähigkeiten gefragt sind („Manager statt Entwickler“)?
    b1) in der Folge entweder diese Aufgaben selbst zu übernehmen oder
    b2) andere mit ins Boot zu holen, die die dafür benötigten Fähigkeiten/Erfahrungen mitbringen?

    Die Variante scheitern häufig: b1) daran, dass diese Aufgaben unterschätzt werden und b2) daran, dass man einem „Fremden“ diese Aufgabe nicht zutraut („Der versteht ja nichts von UNSEREM Geschäft“).

    Wie ist da Ihre Erfahrung/welche Auswege aus solchen Situationen haben Sie schon erfolgreich erlebt, Herr Schüpbach?

  2. Was meiner Meinung nach in der Startup Phase häufig wegen Zeitknappheit vernachlässigt wird, ist das Wissenmanagement. Gerade dies, würde einen Übergang in die späteren Phasen erheblich erleichtern, vorallem wenn viele neue MA dazukommen.

    Aber ich bin gespannt auf die Berichte über die angesprochenen Strukturierungen.

    Das wichtigste dürfte sein : „Betroffene zu Beteiligten machen“🙂

  3. Heute sind nicht mehr die „alten“ Organisationsformen (Besprechungen, Ablauforganisationen..) gefragt, sondern flexible und in sich stabile wie bei einer „Amöbe“. Eine Vorzeigefirma hierbei ist GEOTEX.

  4. Alles was hier gesagt wird, ist in der einen oder anderen Form richtig. Jedoch kommt es stark auf die Grösse und die Art des Softwareunternehmens an. Bei einem Internet Start-up ist eine agile und flexible Organisation wohl sehr einfach möglich. Während bei einem Internet Unternehmen mit 30 Entwicklern an verschiedenen Standorten doch eine erheblich höheren Organisationsgrad benötigt.
    Zu RUP: Ich bin kein RUP Verfechter – im Gegenteil. ich finde aber, dass sich die Grundstruktur von RUP doch auf gerade solch grössere Unternehmen applizieren lässt – jedoch immer mit der entsprchenden Anpassung!
    Danke allen für die guten Beiträge – mal sehen, was sich hier noch tut!

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