Achtung Neider – Der Erfolg von studiVZ ist harte Arbeit

In der Presse (Focus und Spiegel-Online) und der Blogszene kursieren bereits die wildesten Gerüchte über den Preis von studiVZ. Auch über die Gründe für den Verkauf wird gerätselt und diskutiert. Ich habe in den letzten Wochen viel Zeit hier in Berlin verbracht und kann in jedem Fall bestätigen, dass, die Aussensicht der Dinge nicht immer das Innere richtig wiedergibt.

studiVZ ist ein grossartige Erfolgsgeschichte – Punkt. Das Gründerteam hat in harter Arbeit und mit viel Energie unglaubliches geleistet – davor ziehe ich meinen Hut. Gerade in der hektischen Zeit Ende November und im Dezember ist das ganze Team eng zusammengerückt und hat in kürzester Zeit hohe Ziele erreicht (Datenschutz, Kommunikation, Interne Organisation und Prozesse). Ungeachtet der grossen Anti-Euphorie einiger Blogger und der technischen Probleme, hat die Community zu studiVZ gehalten – ja sogar eine grossartige Solidarität gezeigt.

Dass bei einem derartigen fulminanten Wachstum auch Fehler gemacht werden ist ganz logisch. Und jeder der nun vor Neid irgend welche Haare in der Suppe sucht, hat nicht begriffen um was es eigentlich geht und verpasst dadurch seine eigenen Chancen. Nicht die technisch beste Lösung, nicht die beste Marketingidee und nicht die erfahrensten Führungsleute sind Garanten für einen solchen Erfolg, sondern die richtige Mischung aus allem – und die wichtigste Zugabe: Passion und Freude! Genau diese Passion, dieses Feuer für den eigenen Erfolg, alles zu unternehmen, was möglich ist – genau dies habe ich hier erfahren.

Deshalb: studiVZ ist ein gutes Beispiel für andere – für diejenigen, die Chancen packen wollen und sie nicht an sich vorbei ziehen lassen.

14 Gedanken zu „Achtung Neider – Der Erfolg von studiVZ ist harte Arbeit

  1. Große Leistungen werden von kleinen Geistern selten anerkannt. Viele Leute, die selbst nichts zustande bringen, können den Erfolg anderer nicht ertragen. Denn er hält ihnen einen Spiegel vor.

  2. Ich mag den StudiVZ-Gründern den Geldsegen absolut gönnen und verstehe mich überhaupt nicht als Neider. Aber kann mir um Himmels willen jemand den Kaufpreis erklären? Wie rechtfertigen sich €85 pro Studenten-User-Profil?

    Was genau will Holtzbrink mit StudiVZ, was diese Investition rechtfertigt? Mir kommen folgende Varianten in den Sinn:

    1) Erreichen der Profitabilität des immer noch defizitären Startups und profitables Betreiben. Meines Erachtens sehr unwahrscheinlich und würde kaum die Investition rechtfertigen.

    2) Zugang zu 1 Million Studenten. Das wäre sehr teuer erkauft, denn Holtzbrink müsste in absehbarer Zeit mit jedem Studenten mindestens €85 Gewinn machen, um einen Return on Investment zu erzielen.

    3) Portfolioerweiterung und Marktmacht. Aber um jeden Preis? Hoffentlich nicht.

    4) Kaufen, bevor es jemand anders (Springer etc.) kauft?

    5) Gibt es noch Gründe, welche ich in meiner Naivität nicht erkenne?

    Vgl. auch: http://konvergenz.kaywa.com/medienwirtschaft/web-20-bubble-jetzt-auch-in-deutsch-holtzbrinck-kauft-studivz.html

  3. Ich glaube gerne, dass das nicht einfach war, diesen Deal unter Dach und Fach zu bekommen und den Laden so lange zusammenzuhalten bei all den Problemen in den letzten Monaten. Sicherlich ein hartes Stück Arbeit für das Team und die Investoren.

    Und Neid, meine Güte, lass die Leute neidisch sein.

    Ich habe nur ernsthafte Zweifel, ob Holtzbrinck sein Geld wirklich sinnvoll angelegt hat. Aber Dir kann’s ja jetzt egal sein.😉

  4. Wert eines Social Networks: Ich gebe zu dies ist ein heikles Thema und lässt sich sicherlich nicht abschliessend klären – zumindest heute noch nicht.
    Ich habe dazu ja auch schon Beiträge verfasst.
    Nun eines glaube ich unterschätzen einfach alle, die nicht die Szene sehr detailliert verfolgen:
    1. Eine Social Community hat eine grosse Loyalität zur Plattform, wenn sie attraktiv ist. Was heisst attraktiv: Viele Nutzer mit gleiche n Interessen, aus gleicher Region in gleicher Altersklasse etc.
    2. Sobald die Attraktivität hoch ist, gute Funktionalität und Performanz da sind, steigt auch die Nutzung. Steigende Nutzung = steigende Page Impressions
    3. Je stringenter die Zielgruppe desto höher der Werbenutzen, sprich weniger Streuverlust. Das wiederum garantiert höhere Werbeeinnahmen.
    4. Eine homogene Social Community ist interessiert an coolen Sachen, die ihnen Mehrwert bringt. Dies ist über Special Promotion Geschichten sehr gut möglich. Das heisst hier liegt genau bei den Social Networks ein gewaltiges Potential neuer Werbeformen.

    studiVZ hat alles obene beschriebene in unglaublichem Masse geschafft. Die Seite gehört zu einer der meist aufgerufenen Seiten in Deutschland – gleich hinter T-Com. Schaut Euch mal die Alexa Zahlen an (ja ich weiss – nur als Trend halt), die sagen einiges aus!

    Für Holtzbrinck oder auch einen anderen Verlag, macht dieses Investment sehr viel Sinn.

  5. Danke für die Ausführungen! Ich will hier auf keinen Fall die Leistung von StudiVZ schlecht machen, aber ich sehe den Return-on-Investment für Holtzbrinck noch immer nicht: Selbst wenn sich auf StudiVZ 2 Millionen Studenten registriert haben, wird Holtzbrinck nicht für €85 Mio Einnahmen durch Werbung und Promo-Geschichten generieren können. Dass sich StudiVZ gut im Portfolio macht, ist unbestritten, aber nach traditionellen (nicht Dot-Com-Hype) Kriterien kann es sich finanziell nicht rechnen.

  6. Na ja, man kann den Gruendern und Geldgebern von StudiVZ wirklich nur gratulieren zum gelungenen Exit. Mein eher negativer Kommentar auf meinem Blog hatte auch nicht die Absicht, diese Leistungen zu schmaelern. Es gehoert sehr viel Skill dazu, eine Bubble zu reiten und im richtigen Moment abzuspringen.

    Aber ich bin immer noch erstaunt ueber die gezahlte Bewertung. User-Loyalitaet usw. hin oder her, am Schluss muss mehr Geld reinkommen als rausgehen, und zwar in einer angemessenen Groessenordnung. Myspace macht dieses Jahr angeblich etwa $200 Mio. Werbeumsatz (ist vermutlich schon mit den anteiligen Google-Zahlungen gerechnet), und das mit ueber 100 Mio. Mitgliedern. Viel kommerzieller als Myspace kann man wohl kaum noch werden, ohne dass Mitglieder entsetzt abhauen. Immerhin ist das aber mit etwas Kreativitaet noch nicht Ende der Fahnenstange: Yahoo macht etwa $14 Werbeumsatz pro unique User (mit auch hoher Loyalitaet dank Webmail, Groups usw.).

    Solche Zahlen auf StudiVZ angewendet wuerden bedeuten, dass man damit laengerfristig ein schoenes, attraktives Geschaeft mit zweistelligen Millionenumsaetzen (in der vermutlich unteren Haelfte) aufziehen kann. Aber selbst dann muessten Wachstum und Marge schon ziemlich spektakulaer sein, um eine solche Bewertung zu rechtfertigen.

    Und vor allem muss es StudiVZ schaffen, die User auch wirklich dauerhaft bei der Stange zu halten. Man hat schon beim einst erfolgreichen Friendster gesehen, dass das gerade bei juengeren Zielgruppen nicht einfach ist.

  7. @Patrick:
    Du denkst in konventionellen Werbeplänen und Werbeschaltungen – denk mal weiter – gerade Du solltest doch das Potential erkennen können, dass hinter einer solchen Community steckt?
    @Andreas:
    Achtung: Stickyness einer solchen Community ist um ein Vielfaches höher als bei einem Webmail oder anderem Informationsportal. Da steckt ja gerade die grosse Fantasie drin. Es gibt hier Möglichkeiten ganz andere Werbeformen zu fahren. Deshalb war ja Yahoo auch so stark an Facebook interessiert. Dazu gibt es übrigens ganz gewaltige Summen und Berechnungen, die man zwar sicherlich anzweifeln kann, aber die trotzdem von Leuten aus der Internet-Web-2.0-Welt kommen und die ganz genau kalkulieren können…

    Generell: Ich werde wohl in den nächsten Wochen hier noch mehr zu den Konzepten und den Möglichkeiten posten können – freue mich auf alle Fälle auf Euren Feedback!

  8. Ich sehe selbstverständlich das generelle Potential einer solchen Community, aber ich sehe das finanzielle Potential noch nicht! Am Ende des Tages muss aber auch im Web 2.0 Geld eingenommen werden, sei es traditionell oder innovativ… Interessant wäre zu wissen, mit welchem Zeitraum Holtzbrinck arbeitet?!

  9. Generell geht es doch um zwei Dimensionen: Eine (veröffentlichte Zahlen um die Vertragsdetails reduzierte) Kaufsumme und die daraus resultieren Bewertung pro User ist theoretisch sicher in Relation gerechtfertigt, da schon kleine Startups wie http://www.zeec.de oder http://www.myvideo.de mehrere Millionen für ein Teilinvest aufrufen wollenoder aufgerufen haben.

    Aber man darf nicht unterschätzen, dass Studenten im Vergleich zu den Xing-Nutzern eine Phasenzeilgruppe sind, die das Netz intensiv nutzen. Und es wird wesentlich mehr Community-Seiten in Zukunft geben (sogar ich hatte 2005 noch überlegt, einen Community-Klon zu starten – offensichtlich mal wieder zu pessimistisch gedacht).

    Konsequenz: StudiVZ wird die oben so optimistisch angenommene Kundenbindung vermutlich nicht entfalten können, da es sich hier um eine sehr volatile Zielgruppe handelt. Und andere, spezialisierte Seiten werden um die selben Nutzer buhlen.

    Und leider schwindet die Möglichkeit, auf einer dann vielleicht doch inaktiver werdenden Community mit Sonderwerbeformen Extra-Geld einzunehmen, dann eben auch.

    Da scheinen mir Seiten wie Xing, Flickr, Zeec oder andere auf lange Sicht doch fundiertere, weil auf einem technologischen Alleinstellungsmerkmal oder echtem Nutzen basierende Modelle zu haben.

    Ist jedenfalls schade, dass gerade Holtzbrinck sich nicht intensiver um seine klassischen Medien bemüht, die hätten wir in Zukunft in einer StudiVZ-befeuerten Spassgesellschaft dann vermutlich noch nötiger als heute.

    Aber ansonsten Chapeau, mal wieder wurde eine Welle geritten, leider kann man sich irgendwie nicht so ganz freuen, wenn man die Gesamtsituation mit in Betracht zieht.

  10. @Sebastian:
    1. Phasenweise Nutzung? Richtig
    2. Intensive Nutzung während dieser Phase? Und wie!!! Kann man das werbetechnisch nutzen? JA
    3. Wird die Community inaktiv? Ja und Nein -> Alte Studenten: JA – neue Studenten: NEIN
    4. Braucht es technologische Alleinstellungsmerkmale? In erster Linie NEIN – weiterer Ausbau mit gezieltem Nutzen JA
    5. Spassgesellschaft? Ob Mann oder Frau will und ob wir das als ältere Generation (?) auch immer verstehen, spielt eigentlich keine Rolle. Fakt ist – es gibt diese Gesellschaft.
    6. Welle reiten? Ich wär da skeptisch ob es eine Welle ist. Was wäre wenn es nun einfach ein nachhaltiger Trend ist, der auch durch einen nachhaltigen Markt (sprich Digital Natives) getragen wird?

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