Endlich, endlich…

Nach fast genau 6 Jahren, einer hohen 6stelligen Summe, unendlichen Seiten Korrespondenz, vielen Ordnern Papier und einigen schlaflosen Nächten, hat letzte Woche das Bundesgericht in Sachen Miracle nun endgültig für uns entschieden. Ich bin sehr erleichtert!

Für alle die nicht wissen um was es geht: Die SIS (Schutzgemeinschaft Investoren Schweiz) angeführt vom geschäftstüchtigen Rechtsanwalt Werder (hat sein Büro auch an entsprechender Lage!), hatte dem Management von Miracle vorgeworfen, beim Börsengang die Anleger getäuscht zu haben. Die Rede war von Betrug, Verschleierung, Urkundenfälschung und so weiter. Die Klageschrift umfasste über 70 Seiten. Die SIS versicherte den ehemaligen Aktionären bei einer „Gründungsversammlung“ sehr engagiert, dass die Chancen sehr gut stünden, dass die Anleger ihr verlorenes Geld zurückerhielten. Unterstrichen hat er dies mit verschiedenen ehrverletzenden Äusserungen und natürlich breit und unkritisch unterstützt von der Presse. Die gutgläubigen Anleger bezahlten daraufhin Rechtsanwalt Werder ein anständiges Honorar in der Grössenordnung von Fr. 100’000 mit dem er gegen das ehemalige Management losziehen konnte. Ein ganz passables Businessmodell, wenn man sich das mal so überlegt!

Nun hat die letzte Instanz das Bundesgericht entschieden und den vorgängigen Entscheid des Berner Obergerichts bestätigt. Ich bin darüber auch sehr befriedigt, weil ich immer zu all den damaligen Entscheidungen offen gestanden bin. Als CEO oder generell im Führungsteam eines Unternehmens trifft man Entscheidungen basierend auf der Lagebeurteilung zur Zeit der Entscheidung. Im Nachhinein stellten sich dann Entscheidungen als falsch heraus. Zu diesen Fehlern sind wir alle und bin ich immer gestanden. Gerade in der damaligen Situation 1999/2000, also während dem grossen Hype, sind gewisse Fehler passiert, die ich heute im Nachhinein sicherlich anders machen würde. Dass dies in einer börsenkotierten Gesellschaft der Fall war, ist für die damaligen Anleger bedauerlich. Jedoch hätte sich jeder bewusst sein müssen, was für Aktien er erworben hatte – Aktien nämlich einer Wachstumsfirma mit erheblichen Risiken und mit einer viel grösseren Volatilität. Viele aber spekulierten nur auf einen schnellen Börsengewinn. Als Unternehmer haben wir das Unternehmen, zu einer aus unserer Sicht fairen Bewertung, zu einem Kurs von Fr. 240 an die Börse gebracht. Jedoch schon nach ein paar Wochen war der Kurs auf über Fr. 680 angewachsen, ohne dass wir etwas dazu beigetragen hätten. Die schier endlose Gier nach noch mehr Börsengewinn im Technologieumfeld hat den Kurs weiter auf über Fr. 1’190 getrieben! Die Erwartungshaltung stieg damit ins unermessliche.

Nun denn: Ich bin froh, dass diese haltlosen Beschuldigungen auch offiziell von der höchsten Instanz entkräftet wurden. Sie haben mich, und meine Kollegen enorm viel Kraft gekostet – über Jahre. Denn der Ankläger hat in solchen Situationen immer die bessere Ausgangslage. Aber was soll’s für RA Werder ist die Rechnung ohnehin aufgegangen – er hat ja sein Honorar von den Anlegern erhalten. Für die tut es mir doppelt leid, haben sie doch nun schon zum zweiten Mal verloren. Beide Anlagen waren aber ihre persönlichen Entscheide.

PS: Ich kann hier in meinem Blog nun auch mehr über den Fall Miracle berichten – Nicolas Berg und ich haben ja mal begonnen ein „Buch“ über Miracle zu schreiben, dass die turbulente Zeit etwas beschreiben soll. Vielleicht werde ich hier nun einige dieser Kapitel veröffentlichen – mal sehen.

3 Gedanken zu „Endlich, endlich…

  1. Herzliche Gratulation!! Obwohl ich in der Hitze des Gefechts auch ein paar Franken verloren habe🙂
    Bin gespannt auf das Buch…
    PS: Spannendes Business Model – habe mich spontan entschlossen eine Anwaltskanzlei zu eröffnen (suche noch einen Platz am See). Bitte alle schon einmal einzubezahlen – wir werden dann schon einen geeigneten Fall finden…

  2. Herzliche Gratulation, ich kann Deine Erleichterung verstehen. Zwar hatte auch ich damit noch den einen oder anderen Franken in den Sand gesetzt, dies aber bereits in einem Stadium wo es eigentlich nur noch ein Penny Stock war – also kurz vor der Dekotierung. Und zugegebenermassen war es reine Zockerei, am ersten Tag 30% hoch (nach Otto’s Invervention) und zwei Tage später 80% runter – so gehts im Leben🙂

    Und die Moral von der Geschicht‘? Halte nie Anteile einer Unternehmung in der Du null Entscheidungs- und Beeinflussungsmöglichkeiten hast.

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