Schweizer Softwarefirmen sind chancenlos

Kommentar zum Artikel von Daniel Imwinkelried im Cash vom 24.5.2006

Im Artikel "Meinung" des Herrn Imwinkelried führt dieser am Beispiel von Esmertec aus, dass Schweizer Softwarefirmen auf dem Weltmarkt chancenlos seien. Er begründet dies mit einem kleinen Heimmarkt und der fehlenden Erfahrung auf den Weltmärkten. Seine Schlussfolgerung gipfelt darin, dass kleine Newcomer von den grossen an die Wand gedrückt würden (das ist ja beim kleinen Software Start-up in USA oder In Australien ganz anders…?).

Noch ganz geschockt von diesem Artikel fehlen mir die Worte dazu geordnet Stellung zu beziehen. Ein Versuch:

1. Esmertec ist ein typisches Beispiel einer Softwarefirma wie es Tausende auf der Welt gibt. Tolle Technologie, gute Markt-Chancen, sich schnell veränderndes Marktumfeld und kompetitive Märkte.

2. Ob Esmertec nun Schweizerisch oder Deutsch, Holländisch oder Amerikanisch ist spielt keine Rolle.

3. Jedes noch so kleine Start-up hat eine Chance auf dem Weltmarkt Grosses zu bewegen. Dies beweisen Skype, openBC, plazes oder auch Media Streams (von Microsoft gekauft).

3. Es gibt genügend Beispiele, dass es für Schweizer Softwarefirmen sehr wohl grosse Chancen auf dem Weltmarkt gibt. SVOX, Whitestein oder Day sind nur einige Beispiele. (Auch GenevaLogic mit Vertriebspartnern in mehr als 30 Ländern weltweit ist ein Beispiel!) Auch gibt es enorm vielversprechende Software/Internet Start-up's wie tilllate die bereits bewiesen haben, dass sie International mithalten können. Ganz zu Schweigen von den vielen Softwareteilen die in der Schweiz entwickelt werden und weltweit eingesetzt und vertrieben werden.

Es sind aber gerade solche unqualifizierte, oberflächliche Kommentare und Berichte, die es hiesigen Unternehmen sehr schwer machen, entsprechende Akzeptanz zu finden. Ich empfehle Herr Imwinkelried sich mal wirklich mit der Materie Softwareunternehmen auseinander zu setzen und nicht solche disqualifizierende Kommentare los zu werden.

Wenn man wirklich die Gründe der Vorreiterschaft gerade der USA im Bereich Software untersucht, kommt man rasch auf ein paar enorme Vorteil, die die USA insgesamt besitzt: Umgang mit Immaterialgütern (Software, Internet, Film, Musik)

Ist es Kapital für die Finanzierung? Nein

Ist es der grosse Heimmarkt? Teilweise

Ist es die Risikobereitschaft? JA

Der Umgang mit Risiko in Bezug auf immateriellen Gütern ist nicht ein Industrieprozess und auch keine evolutionäre Entwicklung. Es sind viele Unbekannte auf dem Weg zu einem Produkt zu meistern und zu finanzieren, ohne dass man das Ergebnis, sprich den Erfolg, wirklich kennt. Beispiel Filmindustrie: Ein Filmstudio produziert eine Anzahl Filme mit enormen Vorinvestitionen. Aus diesen Produktionen werden einige Flops, einige kostendeckend und ein paar wenige werden grosse Kassenschlager. Dieses Risiko, bzw. der positive Umgang mit dem Risiko, einen Flop zu produzieren, ist in der Mentalität der Amerikaner verwurzelt.

Das Ganze hat also nichts mit Unerfahrenheit im Export (und diese Beurteilung in einem Exportland wie der Schweiz) oder der Einschätzung von internationalen Märkten zu tun. Die plakative Beurteilung von Daniel Imwinkelried ist zudem einmal mehr schädlich für alle die Jungunternehmer in der Softwarebranche in der Schweiz, die die Gunst der Rückkehr des Internets mit Web2.0 und anderen Softwareprodukten nutzen möchten. Notabene oftmals medial unterstützt von Cash-Entreprise!

Also Herr Imwinkelried: Schreiben Sie wieder über Aktienmärkte und Anleihen, über Hedgefonds und sonstige spannende Sachen.

6 Gedanken zu „Schweizer Softwarefirmen sind chancenlos

  1. kann mich dem statement anschliessen.

    geld findet man immer, sei es durch BA, VCs oder Familie, woran es wohl meistens scheitert ist der Mut das wir auch verlieren könnten.

    das heimmarktproblem find ich relativ, man sollte einfach schon zu beginn den fokus auf einen grösseren markt legen und die kosten tief halten und nicht gleich ein riesen ch-löhne-overhead bauen.

    zweitens finde ich, schlaue unternehmer lesen nicht cash🙂

  2. Rembo – ein weiteres erfolgreiches Softwareunternehmen wurde gerade von IBM übernommen! Rembo (www.rembo.com) hat den Sitz in Carouge, wurde 1999 gegründet, ist in Privatbesitz und stellt Systemmanagement-Software her. Also doch, Schweizer Softwarefirmen können sehr wohl erfolgreich sein. Vielleicht hat es einfach zu wenig Personen, die positiv denken und die Szene/Industrie entsprechend unterstützen!! Zudem möchte ich daran erinnern, dass die Schweiz mit den beiden ETHs und einigen guten FHs gute Voraussetzungen für erfolgreiche Informatikfirmen hat!

  3. Cash gehört für mich in dieselbe Reihe wie Facts(*): abgeschriebener und/oder oberflächlich recherchierter, süffiger, sich wiederholender und selbstzitierter Journalismus, von am Existenzminimum lebenden Medienschaffenden für ich-will-auch-Grossverdiener geschrieben.

    Merke: solche Mediuen gehören ins Altpapier, nicht in den Haushaltsmüll.

    *) auch bekannt unter den Labels Weltwoche, 20 Minuten, Berner Bär, heute, Blick, Berner Zeitung, Trumpf Buur, usw.

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