Bewertung eines Startup’s – Versuch einer objektiven Beurteilung

Ich stelle immer wieder fest, dass gerade bei einer frühen Phase oftmals über die Bewertung bei einer Finanzierung „gestritten“ wird. Für mich als Business Angel ist dies immer etwas kritisch, da es ja auch darum geht, die Firma einerseits zu finanzieren aber auf der anderen Seite auch das Projekt und das Unternehmen insgesamt weiterzubringen. Also viel mehr als nur Geld einzubringen. Oft wird dieser Aspekt auch vom Gründer oder Gründerteam eingesehen aber sobald es um Prozente und Bewertung geht oft wieder überblendet.

Ich will damit aber nicht sagen, dass die Bewertung nicht ein wichtiger Bestandteil in der Verhandlung ist – aber man sollte aus meiner Sicht beidseitig eine faire Bewertung anstreben, so dass beide Seiten mit einem positiven und guten Gefühl in das gemeinsame Abenteuer starten können und in jedem Fall am gleichen Strick ziehen.

Nun wie kommt man zu einer fairen Bewertung? Gerade in der heutigen Zeit sein bei einzelnen „Hype“-Projekten wieder Bewertungen im Umlauf, die einfach nicht „gesund“ sind. Dabei spielen oft auch persönliche Einstellungen der Gründer eine grosse Rolle. Ich denke es gibt so drei prinzipielle Gruppierungen von Gründern in dieser so wichtigen Phase:

1. Gruppe – die „Vorwärtsmacher“

Dies sind Gründer, denen die Bewertung eine wichtige aber nicht hauptsächliche Rolle spielt. Auch eine höhere prozentuale Beteiligung wird in Kauf genommen – Hauptsache das Projekt kommt vorwärts und wird zum Erfolg getrieben. Oftmals wird deshalb auch rasch einen Kompromis gefunden. Achtung: In dieser Gruppe sind nicht die „Desperate Entrepreneurs“, die um jeden Preis eine Finanzierung suchen – oder in einem finanziellen Problem stecken.

2. Gruppe – die „Protektionisten“

Diese Gründer wollen so wenig Prozente abgeben wie möglich. Eine Mitbeteiligung eines Dritten ist in deren Augen etwas „Fremdes“ und Unbekanntes. Deshalb wird mit allen Mitteln versucht eine Drittbeteiligung so gering wie möglich zu halten. Ein probates Mittel ist jeweils auch in Stufen Investitionen zuzulassen. Oftmals ist es auch sehr wichtig die Möglichkeiten und der Effekt neben der Finanzierung aufzuzeigen. Verhandlungen mit dieser Gruppe sind oftmals schwieriger und dauern auch länger – was aber nicht negativ sein muss. Ein beidseitiges Vertrauen und „sich kennen“ ist sehr wichtig in einer frühen Phase eines Projektes.

3. Gruppe – die „Optimierer“

Diese Gruppe ist sehr erfahren in der Verhandlung mit VC’s oder mit Business Angels und geht dementsprechend professionell vor. Häufig werden hier auch die verschiedenen Finanzierungsrunden strategisch angesehen und entsprechend mit einer vorbereiteten Unternehemensbewertung durchgeführt. Diese Bewertungen dienen auch als Vorbereitung für eine allfällige Finanzierung durch VC’s und dementsprechend sind auch höhere Bewertungen nicht selten. Nicht selten ist bei solchen Unternehmen die Bewertung auch eine Art Prestigesache.

Interessant ist, dass jede verhandlung immer wieder neue Facetten bringt. Das ist aus meiner Sicht auch einer der ganz spannenden Angelegenheiten eines Business Angels. Es gibt übrigens ein ganz gutes Buch unter anderem auch zu diesem Thema: Winning Angels das ich empfehlen kann.

Zum abrunden des Themas hier noch ein paar Bewertungsansätze mit Bemerkungen zum Gebrauch bei Start-up’s:

DCF-Methode:

–Eignet sich schlecht für Frühphasen-Projekte, kann frühestens „sinnvoll“ in 1-2 Jahren angewendet werden
–Diskontierung Risikozuschlag in der Startup-Phase 90% …

VC-Methode:
–Ist in so frühen Phasen noch kaum machbar
–Ausgehend von Benchmarks kotierter ähnlicher Unternehmen im gleichen Markt (geographisch) wird ein möglicher zukünftiger Wert geschätzt
–Über die bis dahin benötigte Zeit wird Rendite und Risiko abverzinst, Ergebnis ist die maximale Valuation beim Einsteigszeitpunkt

Business Angel-Methode:
–„Projekt-Profil“, „Phase“, „Mitbringsel“
–Basiert auf breiten Erfahrungen
–Geeignet für Startup-Phase
–Ziel dieser Methode ist, nach maximalen analytischen Kriterien, den für beide Parteien fairsten subjektiven Wert zu ermitteln

2 Gedanken zu „Bewertung eines Startup’s – Versuch einer objektiven Beurteilung

  1. Dieser Artikel ist nun mehr als vier Jahre alt. Haben sich irgendwelche Verfahren (subjektiv) durchgesetzt?

    Ich gehe Mitte Juli mit einer Website zur Online-Unternehmensbewertung an den Start, allerdings vorerst mit den klassischen Methoden.

    Viele Grüße

    • Nein – im Gegenteil. Ich glaube es gibt immer wieder neue Modelle an denen Startups gemessen werden und bewertet werden. Neuste Beispiel kommen aus dem Private Sale bezw. Groupon Bereich, wo Lifetime Value und Umsatz pro Kunde Massstäbe für Bewertungen darstellen.

      Bin gespannt auf Deine Plattform.

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