Es wird viel geschrieben über die Finanzkrise – und sie hat tatsächlich grosse Auswirkungen in allen Bereichen der Wirtschaft – auch für viele Startups. Nicht nur sind viele Investoren generell verunsichert, sondern sie haben auch echte existentielle Sorgen. Gerade institutionelle Investoren sind auf den Geldfluss im Fundraising ihrer Fonds angewiesen. Wenn da nicht genügend Nachschub kommt, müssen grosse Fonds ihre Strukturen überdenken.
Generell führt Verunsicherung auf allen Ebenen im Geldfluss zu Stockungen und vermehrter Zurückhaltung (siehe auch Artikel der FAZ). Welche Auswirkungen hat dies nun auf neue Unternehmen? Ganz einfach: Es ist noch viel schwieriger geworden, neues Geld aufzutreiben – auch bei Business Angels (Privatinvestoren). Dazu kommt noch das allgemein rauere Wirtschaftsklima. So manchem Gründer kann das aufs Gemüt schlagen. Das gilt aber vor allem für die Schönwetter-Gründer also solche, die einfach mit von der Partie sein wollten – oft nur mit dem Traum vom schnellen Geld vor Augen. Nun, diese Zeit ist sicherlich vorbei.
Das bedeutet, dass man für eine gute Finanzierung und sein Projekt noch viel stärker kämpfen muss. Es gilt auch so lange wie möglich eigenfinanziert zu bleiben. Denn bei schlechtem Investitionsklima kommen die Bewertungen stark unter Druck. Also sollte man als Unternehmer mit der Finanzierung länger warten können. Das heisst auch, dass in letzter Konsequenz mehr eigene Mittel in die Projekte fliessen müssen. Das ist nicht immer einfach – aber wenn man von seinem Projekt überzeugt ist, sollte auch diese Hürde zu meistern sein. Da muss man auch bereit sein, unkonventionelle Wege zu gehen.
Ein cooles Startup, das letzthin bei mir präsentiert hat, bietet seine Dienste auch extern an. Sie machen beispielsweise bei der Entwicklung von anderen Plattformen mit oder bieten Beratungsleistungen, um über die Runden zu kommen. Das lenkt zwar ab, verzögert das Projekt und ist eine grosse Herausforderung, um alles unter einen Hut zu bringen, aber letztendlich bringt es das Unternehmen trotzdem weiter, sorgt für etwas finanziellen Spielraum und hält die Idee am Leben. In der Not frisst der Teufel…
Ich habe in den letzten Monaten mit vielen Leuten darüber diskutiert, ob sich durch die Finanzkrise auch die Geschäftsmodelle ändern werden. Ich bin der Meinung, dass es allgemeine Modelle, die auf Werbung basieren, sicherlich schwerer haben werden. Wer auf konventionelle Werbung setzt, hat mit höherem Preisdruck und geringeren Volumen zu rechnen. Wer diesen Markt aber aufmerksam beobachtet hat, erkennt, dass es auch hier grosse Chancen gibt. Zum Beispiel Mobile- und Video-Werbung. Beide Werbeformen haben gerade bei uns in Europa noch kein grosses Volumen. Es ist aber nur eine Frage der Zeit, bis diese Konzepte die konventionelle Display-Werbung (Banner) im Volumen überholt haben werden. Wer sich auf solche Modelle einstellt und seine Geschäftsmodelle, Technologien und Dienstleistungen konsequent auf solche neue Formen ausgerichtet, der wird enorm davon profitieren können und damit auch vermeintliche Löcher stopfen oder sogar insgesamt zulegen können. Denn eines ist sicher: Durch die Finanz- und Wirtschaftskrise, wird der Bedarf an Kommunikation, Information und Interaktion nicht abnehmen. Der Trend wird weiter „Wachstum“ heissen.
Natürlich sind transaktionsorientierte Geschäftsmodelle gerade in solchen Zeiten interessant. Es wird spannend sein, die gesamten e-commerce Trends im 2009 zu analysieren. Wird das generelle Wachstum auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten anhalten auch wenn der Konsum zurückgeht? Gerade auch aus diesem Grund bin ich so fasziniert von meinem neuen Projekt FashionFriends (mehr dazu später). Wir möchten damit eine Verbindung schaffen, ja eine Brücke schlagen, zwischen Konsum und Community. Mal schauen, ob uns das in den nächsten Monaten gelingt.
Ein raues Klima überleben nur die Besten. Das ist in der Natur so und das ist auch in der Wirtschaft so. Dass man dazu auch das notwendige Glück braucht ist selbstverständlich, aber man muss es sich erarbeiten, ja erkämpfen. „Fortune favors the bold“ wie die Amerikaner sagen. Also meine lieben Gründer: Kämpft!