Gedanken zur Startup Sendung auf SF1 heute Abend über den Workshop, die die jungen UnternehmerInnen bei mir durchgeführt haben.
Ich habe von Beginn weg das Konzept Startup vom SF1 stark unterstützt, da ich einfach der Meinung bin, dass wir gerade in der Schweiz noch viel mehr Unternehmertum und Risikobereitschaft brauchen. Auch wollte ich seit Miracle auch klar machen, dass das Leben auch nach einem harten Rückschlag weiter geht und das jeder UnternehmerIn sich nicht vor dem Scheitern fürchten müssen. Da ich noch nicht weiss, wie der Beitrag heute Abend ausschauen wird, habe ich mir gedacht, einige persönliche Gedanken dazu hier in meinem Blog zu veröffentlichen.
Fehlertoleranz gezielt fördern
Hier ein Beispiel aus der Schule: Meine 11-jährige Tochter hat die Hausaufgabe bekommen, in 20 Minuten so viele Rechenaufgaben wie möglich zu lösen. Welche Strategie soll sie wählen und was wird belohnt werden?
a. Auf Nummer sicher gehen und 18 Aufgaben lösen, mit der grossen Chance keine Fehler zu machen – jedoch nicht alle geschafft zu haben?
b. Auf „Tutti“ gehen und versuchen, alle 20 Aufgaben zu lösen, jedoch mit dem Risiko eventuell vielleicht 2 oder 3 Fehler zu machen?
Was denkt Ihr?
Ich glaube dies ist eine ganz typisch „Schweizerische-Tugend-Aufgabe“ – nicht? Ich habe noch im Ohr: „Wir können mit erhobenem Haupt nach Hause fahren – wir haben gut gespielt, aber es hat halt nicht ganz gereicht“ (Köbi Kuhn WM 2006 oder auch Euro 2004)
Der gesunde Umgang mit Risiko – gezielt fördern
Wir brauchen risikofreudige UnternehmerInnen. Ich meine damit nicht „Base-Jumper-Unternehmer“ – entweder geht der Fallschirm auf oder nicht. Nein – ich meine der unverkrampfte Umgang mit Risiko. Gerade in der Softwareindustrie ist Innovation mit eher grösserem Risiko verbunden. Wer bewusst Risiko nimmt, muss belohnt werden! In jedem Fall. Weil nur wer was wagt, kann auch weiter kommen. Schön gesagt werdet Ihr denken: Konkret heisst dies für mich, dass wir Kinder, die es wagen, die 20 Aufgaben alle zu lösen, belohnen und nicht bestrafen, wenn eine davon falsch war. Konkret heisst dies, dass ich den vier jungen angehenden Unternehmer, die ein tolles Internet-Projekt vorhaben und nun 6 Monate geforscht und analysiert haben, zurufe: „Los jetzt – auf Tutti gehen“ – Sicherheitsleinen im bestehenden Job loslassen und die 20 Aufgaben lösen – nicht 18 – nicht noch 5 Minuten verlieren und ausrechnen wie viel die exakte durchschnittliche Zeit pro Aufgabe sein müsste, um 19 zu lösen und, ob 19 dann ausreichen könnten, um mit der Note „Gut“ abzuschneiden.
Scheitern üben – nicht verdammen
Das heisst aber auch, dass wir mit Niederlagen umgehen lernen müssen. Der positive Umgang mit Risiko. Das ist eine Gratwanderung, das ist mir bewusst – aber wäre es nicht sinnvoller, wenn wir auch mit Scheitern und mit Fehlern positiver umgehen würden. Bei einer Niederlage wird knallhart abgerechnet: Dafür müssen wir vorbereitet sein – selbstkritisch, aber nicht selbst vernichtend. Kritisch aber nicht vernichtend. Fehlertoleranz ist ein MUSS für Innovation.
Nach dem Schluss bei Miracle habe ich selbst einige Zeit gebraucht, um wieder Tritt zu fassen. Wenn man derart verbunden ist mit seinem Unternehmen, so schmerzt eine solche Niederlage natürlich umso mehr. Mir haben zu dieser Zeit wichtige Freunde sehr viel gegeben! Sie haben an mich geglaubt und mich unterstützt. Das sind oft nur Kleinigkeiten, die aber gerade in einer solchen Situation wichtig sind. Und ich habe viel aus der Zeit, und gerade aus der harten Schlusszeit bei Miracle gelernt. Genau diese Situationen und Erfahrungen haben mich viel stärker gemacht.
Gesunder Ehrgeiz fördern
Bei Miracle hatten wir das Ziel weltweit unter die Top 10 der ERP Softwareanbieter zu kommen. Dies hat in den hiesigen Gesprächen immer für Aufsehen gesorgt. Dabei war es gar nicht so vermessen gewesen, wenn man das genau analysiert hätte: Aber schon nur, dass man ein solches Ziel ausspricht hat teilweises Entsetzen ausgelöst.
Ich sage heute meinen Leuten bei GenevaLogic: „Wir wollen Nummer Eins im Bereich Bildung werden“. Die Schweizer Mitarbeiter nehmen dies etwas gelassener zur Kenntnis – so unter dem Motto: na ja tönt gut. Die Mitarbeiter in den USA klatschen in die Hände. Ja für die US Mitarbeiter ist dies, das Ziel schlechthin. Die wollen wirklich um alles in der Welt Nummer Eins werden!
Als Unternehmen muss man der Beste in einem Markt werden. Man muss diesen Ehrgeiz haben, alles und wirklich alles zu tun um dieses Ziel zu erreichen. Die Mentalität „Der/die Beste“ zu sein oder es werden zu wollen, muss gefördert werden. Und zwar von Kind auf. Der Beste macht Fehler und lernt daraus. Seine Fehler werden verziehen und er kann sich weiterentwickeln. Um der oder die Beste zu werden, muss man ganz bewusst Risiken eingehen können, mit dem Bewusstsein, dass jeder bei einer Niederlage, durch die Gesellschaft kritisch beurteilt, jedoch nicht vernichtet werden wird. Das alles wäre ein Grundlage, um Unternehmertum noch viel stärker zu fördern, ja vielleicht sogar aus der Startup Initiative von SF1 noch viel stärker zu profitieren.
Sendung Startup, 7.5.2007 um 22.20 auf SF1